Montag, 17. August 2015

Welches Klavier soll ich mir kaufen?

Kiril:

Glaubt man den Anekdoten, die über Wolfang Amadé Mozart erzählt werden, so übte er auf den ewigen Reisen durch Europa auf einem 'Pappklavier' - auf dem eine Klaviatur aufgemalt war. Es kann so einfach sein, kostet fast nichts, jeder Zeit benutzbar, hunderprozentig geräuschlos, die Rückseite kann man für Brettspiele nutzen und wenn es mal kalt ist, muss nicht gleich die Bratsche dran glauben.

Allerdings natürlich, setzt das 'üben' auf einem solchen 'Instrument' voraus, dass der Übende sich bereits ein Klanggedächtnis erarbeitet hat. Also eine ungefähre Vorstellung davon besitzt, was erklingt wenn eine Taste niedergedrückt wird. Als Anfänger hat das selbstverständlich niemand - also ist Mozarts 'Pappklavier' in diesem Sinne eher ein Fortgeschritteneninstrument. Bleibt also die Frage: Womit soll ich bzw. meine Kinder die ersten Schritte auf einem Tasteninstrument wagen?

Häufig spielt der finanzielle Aspekt eine nennenswerte Rolle - zumal nicht klar ist, ob man in 1-2 Jahren noch dabei ist und da ist im Vergleich ein ePiano im Normalfall das empfehlenswertere Einstiegsinstrument. Aus künstlerische Sicht, also einer, die die Welt musikalisch begreift - ist meine Empfehlung ganz klar -auf jeden Fall das Klavierspielen erlernen - also - wenn die Wahl zwischen gar-nicht-Klavierspielen-lernen und Klavierspielen-lernen auf eine ePiano besteht - dann das ePiano.

Norman: Und was empfiehlst du Fortgeschrittenen oder gar Profis?

Norman:
Zunächst glaube ich nicht, dass man von der Ausrüstung besessen sein sollte. Das ist zwar etwas ab vom Thema, aber ich wollte einst eine Back-Pack-Tour machen, mit Zelten und allem, was dazu gehört. Als ich im Geschäft war, traf ich einen alten Freund, den ich früher noch vom Judo kannte. Jan erklärte mir, dass er sich hier extrem vorbereitet hatte und erklärte mir alles zum richtigen Schuhwerk, ich bekam eine bestimmt zwei stündige Beratung und kaufte schließlich gute Schuhe, wobei ich diesen Kauf niemals bereut habe. Als ich ihn allerdings am Ende fragte, wo er denn nun gewandert sei, antwortete er, dass es am Ende nicht geklappt hatte. Übervorbereitet: Beim Klavier ist es genauso: Natürlich ist es eine Investition und wir fragen uns, was das richtige ist, aber ich vertrete hier eine sehr deutliche Meinung: Es muss kein Klavier sein.

Ein Klavier kann ein Erbstück sein, etwas, das dem Haus Seele verleiht, etwas, was zu einer Familie wie ein Hund dazu gehört, aber darüberhinaus haben Klaviere fast keinerlei Bedeutung mehr. Flügel werden noch gebaut um einen natürlichen Sound mit Raumfülle auf das Orchester abstimmen zu können, aber ich möchte behaupten, dass hier eher aus traditionellen Gründen auf elektronische, günstigere E-Pianos verzichtet wird. Man stelle sich LangLang an einem E-Piano vor während er mit den NewYorkerPhilharmonikern spielt. Obwohl, dass vielleicht schon vorstellbar ist, wenn er wiedermal einen anderen Werbevertrag abschließt.

Nun, wenn es also nicht um diese Traditionsbekundung geht, um das künstlerisch ästhetische, dann muss es meiner Meinung kein Klavier sein. Wenn es aber nicht nur um den pragmatischen Wohnzimmerklang geht, sondern man auch Wert auf ein Erbstück legt, das man gerne pflegen möchte, dann würde ich ein Klavier ab 8.000 Euro empfehlen und das kauft man dann nicht bei Amazon oder Ebay, sondern in einem Klavierfachgeschäft.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen